
Das disziplinübergreifende Habilitationsprojekt dient der Verknüpfung der Bereiche Deutsch als Zweitsprache im Bereich Migrationsbedingter Mehrsprachigkeit und der sonderpädagogischen Unterrichts- und Professionalisierungsforschung im Förderschwerpunkt Emotionale-Soziale Entwicklung (MiMESE) an der Schnittstelle zur kritischen, bildungswissenschaftlichen Ungleichheitsforschung. Mit Blick auf das disziplinübergreifend relevante Forschungsdesiderat zum Umgang mit migrationsbedingt mehrsprachigen Lernenden im sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ESE zielt das Vorhaben auf die empirische Betrachtung, Erfassung und Beleuchtung von schulisch-unterrichtlichen kollektiven Handlungspraktiken einerseits und den kontextbezogenen Bedingungen im genannten Förderschwerpunkt andererseits ab. Hierbei stehen neben pädagogischen Handlungspraktiken in Schule und Unterricht insbesondere Mechanismen der sonderpädagogischen Status- und Prozessdiagnostik im Zentrum des Interesses; stellen diese doch für viele lebensweltlich mehrsprachige Schüler:innen weiterhin ein Moment institutioneller Diskriminierung dar.
Das kumulative Habilitationsprojekt kommt damit somit sowohl aktuellen Forderungen der Fachdisziplin Deutsch als Zweitsprache (im Bereich Mehrsprachigkeit) als auch der sonderpädagogischen Grundlagenforschung (im Bereich der Unterrichts- und Lehrkräfteprofessionalisierung) nach und lässt sich mit dem Ziel der Generierung einer Handlungstheorie mittlerer Reichweite primär in der praxeologischen Theoriebildung der Sonderpädagogik verorten.
Das aus den (Teil-)Fragestellungen hervorgehende ethnografisch angelegte Studiendesign orientiert sich an der Grounded Theory Methodology (GTM), nutzt dieses als forschungsbezogenes Leitprinzip und umschließt hierbei auch methodologische Weiterentwicklungen ein (reflexive GTM, die Institutional Ethnography oder auch die Situationsanalyse). Methodisch besteht das Studiendesign im Sinne eines Mixed-Methods-Ansatz aus mehreren Teilstudien, wobei beabsichtigt wird, die einzelnen Datensätze mittels methodeninterner als auch -externer Triangulation mit Blick auf das übergeordnete Ziel in Zusammenhang zu setzen.

Habilitationsbezogene Veröffentlichungen
- Niehaus, K. (2025a). „Das ist aktuell die Frage aller Fragen: Liegt es nur an der Mehrsprachigkeit oder ist da doch mehr […]?!“ – Migrationsbedingte Mehrsprachigkeit und sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen. Status Quo und quo vadis? Kölner Online Journal für Lehrer*innenbildung (k:ON), 9(2025), 248–268.
- Niehaus, K. (2025b). „Da weiß man halt nicht wo hört DaZ auf […] und wo fängt Sonderpädagogik an?!“ – Migrationsbedingte Mehrsprachigkeit im Spannungsfeld (post- )sonderpädagogischer Diskurse. Ein Plädoyer für eine Stärkung interdisziplinärer Schul- und Unterrichtsforschung im Bereich Emotionale-Soziale Entwicklung. ESE Zeitschrift, Heft 7, 186–195.